Donnerstag, 18. Dezember 2014

Der Vorleser

Rezension


Autor: Bernhard Schlink
Preis: 9,90 €
Seitenanzahl: 208
Verlag: Diogenes
Leseprobe: >> gibt es hier << 






Inhalt:
Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ beschreibt das Leben zweier Personen.
Michael begegnet Hanna zum ersten Mal mit 15 Jahren. Er ist an Gelbsucht erkrankt und ist gerade dabei sich vor ihrem Haus zu übergeben, als Hanna ihm hilft sich und den Gehsteig zu säubern. Eigentlich wollte Michael diesen Vorfall vergessen, doch bestand seine Mutter darauf, dass er sich zu bedanken hätte. Danach kommt es zu mehreren Treffen, während denen Michael sich in Hanna verliebt. Sie kann sehr leidenschaftlich sein, doch kurz danach dann wieder kalt und abweisend. Von ihrem Leben gibt sie nicht viel preis. Sie weiß alles von Michael, aber er nichts von ihr.
Irgendwann verschwindet sie spurlos. Michael macht sich große Vorwürfe, ob er der Grund für ihr Verschwinden sei.
Jahre später sieht er sie wieder. Inzwischen ist er Jurastudent und hat sich eigentlich sehr auf diesen Prozess gefreut. Und dann sieht er Hanna auf der Anklagebank stehen. Wie er damit umgehen soll,  weiß er nicht. Dazu kommt, dass dies kein gewöhnlicher Prozess ist, sondern ein Prozess gegen die Wachmannschaft eines KZs bei Krakau.
Zum Ende des Krieges wurde das KZ aufgelöst und die Häftlinge auf einen Todesmarsch geschickt. Während diesem machte die „Gruppe“ Stopp in einer Kirche, die kurz darauf von Bomben getroffen wurde. Bis auf zwei Frauen verbrannten die Häftlinge qualvoll in der Kirche, da die Wachmannschaft es nicht für nötig hielt die Tore zu öffnen.
Hanna soll Anführerin dieser Gruppe gewesen sein, doch nach und nach begreift Michael, dass es hier nur um ein Geheimnis geht, dass Hanna verzweifelt hütet und dafür auch lebenslange Haft auf sich nehmen möchte.

Meine Meinung:
Erzählt wird das Buch im Ich-Erzähler, wodurch die Sicht von Michael und seine Gefühle noch deutlicher werden. Er wirft immer wieder Fragen auf, die nur zum Teil beantwortet werden, und irgendwann ziemlich überfordernd auf den Leser wirken.
Die Geschichte an sich ist großartig gestaltet, obwohl es einige kleine Punkte gibt, die ziemlich unlogisch sind. Davon möchte ich aber nicht zu viel verraten.
Obwohl Michael das Buch erzählt und sich ziemlich sicher ist, dass man die Taten nicht rechtfertigen kann, findet er einen Weg zu erklären, warum Hanna so gehandelt hat und dass sie nur Gutes tun wollte. Fast jeder Punkt im Buch lässt Hanna sympathisch erscheinen. Schlink hat sie zum Großteil positiv dargestellt. Was wenn man einmal über ihre Taten nachdenkt, ziemlich provokant ist.
Was allerdings ziemlich negativ wirkt, ist die Zeitlosigkeit des Buches. Es wird kaum erzählt in welcher Zeit man das Geschehen einordnen soll. Also wie viel Zeit zwischen dem Verbrechen und dem Prozess liegt, wäre denke ich schon interessant zu erfahren. Denn zu den Nürnberger Prozessen ist ja eigentlich zu spät.
Ansonsten weißt dieses Buch auf etwas sehr Wichtiges hin, verwurzelt mit dem „Dritten Reich“. Man sollte sich der Pflicht bewusst sein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten, doch sollte man trennen, wer wirklich schuldig war und wer nicht.

Allerdings finde ich ist dieses Buch wirklich nur etwas für Leute, die sich mit der NS-Zeit beschäftigen wollen. Ansonsten könnte dieses Buch schnell langweilig und uninteressant wirken.

Kommentare:

  1. Mir fehlte im Buch die Beziehung der beiden zueinander... die Frau wirkt so distanziert und in sich gekehrt.. irgendwas fehlte.... :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, da ging es mir ähnlich wie dir, allerdings habe ich das ziemlich schnell ausgeblendet, weil ich ein kleiner Geschichtsfreak bin und mich die historischen Zusammenhänge mehr interessiert haben, als das Zusammenspiel von Michael und Hanna. Aber vielleicht ist diese Distanz ja auch auf Hannas Charakter zurückzuführen und auf ihre Vergangenheit, dass sie gar keine Nähe zulassen wollte, aus Angst Michael könnte zu viel über sie erfahren.

      Löschen