Freitag, 3. Juni 2016

Drei Steine (Graphic Novel)

Rezension 


Autor: Nils Oskamp
Seitenanzahl: 
Preis: 19,99 €
Verlag: Panini
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Mehr Infos zur Schulausgabe: >> diesen Weg entlang <<

Ich sagte meine Meinung gegen Nazis, das hätte mich fast umgebracht…

Dies ist keine einfache Geschichte…
Denn sie ist wahr…
Aber auch wenn sie es nicht wäre… sie wäre dennoch nicht einfach…
Eine Geschichte über Gewalt und Menschenhass kann niemals einfach sein…

Nils Oskamp hatte keine einfache Jugend… Als Schüler kämpfte er um sein Überleben und wollte dabei nicht selbst zum Täter werden. Eine starke Botschaft!
Wie handelt man, wenn jemand auf einen schießt? Ist man sauer? Klar! Will man man sich wehren? Auf jeden Fall… Doch wie?

In unserer heutigen Zeit ist Gewalt leider ein häufiger Gast an Schulen. Viele schauen weg oder wollen es nicht wahrhaben… Man bekommt Sprüche wie „Bei uns gibt es kein Mobbing!“ oder „Gewalt? Nicht an unserer Schule!“ Dabei wissen die Schüler und auch die Lehrer, dass diese Aussagen meist nicht stimmen. Doch es ist einfacher wegzuschauen, anstatt sich einzumischen. Viele
haben auch Angst, dass diese Welle der Gewalt auf sie selbst überschwappt, wenn sie jemandem helfen, der in Gefahr ist.
Ähnlich ergeht es Nils in seiner Schulzeit. Er will nichts mit den Neonazis an seiner Schule zu tun haben. Er geht ihnen aus dem Weg, doch als einer seiner Mitschüler behauptet, dass Auschwitz nie existiert hätte, dass dies eine reine Propagandalüge der Besatzungsmächte war, um deren eigene Kriegsverbrechen zu vertuschen, mischt sich Nils ein.
Als ich dies las, dachte ich, richtig so! Hätte ich auch getan. Doch nach dem Beenden der Graphic Novel bin ich mir sicher, dass es schrecklich ungesund ist. Und doch würde ich in so einer Situation handeln wie Nils. Nicht daran denken, wie gewaltbereit die rechte Szene ist…

Noch heute blüht und floriert die rechte Szene stark. Man schaue sich nur einmal das Wahlprogramm der AfD an… Aber das ist eigentlich ein anderes Thema. Ich möchte hier auch nicht zu sehr in die Politik rutschen.

Schon damals war die Rassenideologie der NSDAP sehr reizvoll. Wer will nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er in der richtigen „Rasse“ geboren wurde, etwas Besonderes sein? Einfacher geht es doch nicht… Man muss in seinem Leben nichts erreicht haben… Es reicht Deutscher zu sein… Arier…

Nils Oskamp schildert mit beeindruckenden und ausdrucksstarken Bildern, wie er sich zu Wehr setzte und wie er es schaffte heil aus der Schule herauszukommen.
Schon zu Beginn der Geschichte war ich geschockt… Es wird hingenommen, dass Neonazis ihr Gedankengut an der Schule verbreiten, aber Comics waren verboten… Diese würden zur Verrohung der Schülersprache führen… Ich frage mich, was da wohl schlimmer ist… Das Problem liegt bestimmt an der Verrohung der Sprache… Bestimmt…

Oskamp hat denke ich ein beeindruckendes Werk geschaffen, dass Jugendlichen mehr bringen wird, als die ständigen Vorträge und Erläuterungen der Erwachsenen. Denn wenn ich einmal ganz ehrlich bin, die Behandlung der Thematik rund um die rechte Szene wird in der Schule entweder sehr kurz oder wirklich langweilig behandelt. Zumindest war es bei mir so. Ich habe mich selbst des Öfteren ertappt, wie ich meinem Lehrer nicht mehr gefolgt bin, sondern etwas anderes im Kopf hatte.
Dies konnte ich auch bei meinen Mitschülern und bei Freunden aus anderen Schulen beobachten. Das dann bald Witze auf dem Schulhof kursierten, wie „der einzige Unterschied zwischen einem Juden und dem Weihnachtsmann sei die Richtung im Kamin“ tat tief im Herzen weh…

Ich denke, „Drei Steine“ hat nichts mit solchen Unterrichtspassagen zu tun. Im Gegenteil durch die gekürzte Schulausgabe, kann diese Graphic Novel die Schüler wirklich wach rütteln. Mit Büchern und Bildern beschäftigt man sich eben doch mehr, als wenn man nur den Worten eines anderen zuhört, während man selbst schon an den Weg nach Hause denkt.

Allerdings lohnt sich meiner Meinung nach, die vollständige Ausgabe aus dem Panini Verlag noch ein bisschen mehr als die Schulausgabe. Mit fast 20€ ist diese für den Unterricht vermutlich zu teuer, doch darin sind einige sehr ausdruckstarke Bilder enthalten, die in der Schulausgabe durch eine Textfassung ersetzt worden sind. So erfährt man zwar in beiden Ausgaben die vollständige Geschichte, doch Oskamps Bilder brennen sich doch mehr ins Gedächtnis ein, als diese Textblöcke.

Auch das Cover des Panini Verlags gefällt mir ein kleines bisschen besser. Im Grunde ist es zwar dasselbe Bild. Doch die gebundene Ausgabe trägt den Titel im selben Rotton, wie Nils Blut auf dem Bild. Interpretationstechnisch lässt dies viel zu. Ich werde mich hier mal zurückhalten, doch mir gefällt diese Botschaft einfach besser. Besonders beeindruckend finde ich hier, den Schatten des Hakenkreuzes…
Eine wirklich beängstigende und grausame Geschichte… mit so viel Inhalt… Und so wichtig…

Warum sie „Drei Steine“ heißt, müsst ihr selbst herausfinden… Nur so viel… Die Juden haben diesen schönen Brauch kleine Steine auf die Gräber ihrer Toten zu legen… Beeindruckend… Meine Steine liegen in Neuengamme… in Bergen-Belsen… und bisher nur gedanklich in Auschwitz… Irgendwann auch in der Realität…



Ich war beim Lesen froh, zu wissen, nicht alleine in diesen Bildern zu verschwinden… Arndt von AstroLibrium war mir dicht auf den Fersen und wusste, wenn ich falle, fängt er mich auf…
Und Arndt platzierte den Gedanken eines vierten Steines in meinem Herzen…
Warum könnt ihr hier bei ihm lesen:

https://astrolibrium.wordpress.com/2016/06/02/graphic-novel-drei-steine-von-nils-oskamp/

Kommentare:

  1. Wichtige Worte, elementare Eindrücke, eindringliche Position.. Hut ab.

    Danke für die Erwähnung und erlaube mir die Feststellung, dass du lesend bei vielen Themen, die uns verbinden nicht allein bist...

    Arndt

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    1. Ich bin sehr froh, dich an meiner Seite bei diesen schweren Themen zu wissen... Nicht alleine sein... Ein schöner Gedanke...

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  2. Eine sehr schöne Rezension, mit starken und ehrlichen Worten.

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    1. Ich danke dir für deinen Besuch :)
      Ehrlichkeit... wichtig bei diesen Themen... ;)

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  3. Wirklich ein schweres Thema. Allein die Rezension löst Betroffenheit aus.

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