Freitag, 31. März 2017

Ein bisschen wie Unendlichkeit

Rezension


Autor: Harriet Reuter Hapgood
Preis: 16,99 €
Seitenanzahl: 384 
Übersetzer: Susanne Hornfeck
Verlag: Fischer KJB
Leseprobe: >> gibt es hier <<


Ich möchte schreien. Ich möchte die Erde mit bloßen Händen aufwühlen, und Grey durch mein Schreien zurückholen. Ich möchte die Erinnerung an ihn tief vergraben und niemals an sein Grab gehen. Ich möchte hunderttausend Millionen Sachen, aber am meisten möchte ich das Abwegigste, Hoffnungsloseste: dass er nicht tot ist. 
- Seite 316


Obwohl dieses Zitat schon sehr weit hinten im Buch steht, beschreibt es perfekt Gotties Gefühle…
Ihr Großvater, der mehr ein Vater für sie war, ist vor fast einem Jahr verstorben.
Als nun die Ferien beginnen, prasselt ziemlich viel auf Gottie ein. Ihr Bruder versucht den Sommer so zu gestalten, wie Grey es getan hätte…
Ihr Vater verbringt die meiste Zeit im Buchladen der Familie… den Gottie nicht mehr betreten hat, seit Grey nicht mehr da ist…
Und dann ist da ja auch noch die Sache mit Jason…
Und der Schulabschluss… Unibewerbungen… wichtige Entscheidungen…

Als wäre das nicht genug, verkündet ihr Vater eines Tages plötzlich, Thomas werde die Ferien bei ihnen verbringen… Thomas… Gotties bester Freund in Kindertagen… Thomas, der einfach nach Kanada gezogen ist… Thomas, der sich nie gemeldet hat…

Das Alles ist zu viel für Gotties Gefühlswelt… Bald lernt sie das Universum besser kennen, als sie eigentlich möchte…


Ich weiß ehrlich gesagt auch nach der letzten Seite nicht genau, was ich von dem Buch halten soll… Den Anfang fand ich sehr verwirrend und auch gefühlsmäßig sehr verquer… vielleicht auch, weil ich absolut keine Ahnung von Mathe und Physik habe.
Je weiter ich ins Buch eintauchte umso besser kam ich mit diesem Wirrwarr zurecht. Ich habe mich zu Beginn auch doch sehr geärgert, dass mich die Geschichte nicht so richtig packen konnte, da der Schreibstil wirklich wundervoll ist und die Autorin öfter mit sehr schönen Metaphern arbeitet.

Ab der Hälfte ungefähr habe ich dann auch endlich inhaltlich in die Geschichte finden können.
Es ist auf jeden Fall mal eine etwas andere Liebesgeschichte! Und die Idee mit den schwarzen Löchern, mit denen Gottie sich näher beschäftigt, fand ich dann doch noch ganz interessant, nachdem ich das endlich so halbwegs erklärt bekommen habe.
Da Gottie ein Genie, was Mathe und Physik angeht, zu sein scheint, hat sie die Dinge auch erst später erklärt, als Thomas sie gefragt und nichts verstanden hat.

Gottie als Protagonistin ist ganz interessant, aber ich fand sie von Anfang an sehr Ich-bezogen, was sich nachher zwar etwas gibt, aber mich stört so etwas leider beim Lesen.
Sie hat nicht darüber nachgedacht, warum ihr Bruder bestimmte Dinge tut, oder warum ihr Vater so handelt, wie er handelt, sondern sich nur in ihrem eigenen Schmerz verkrochen.
Ging mir irgendwann sehr auf den Geist. Nach ungefähr einem Drittel des Buches wurde dieser Egoismus, dann allerdings etwas weniger und ich konnte mich doch noch mit Gottie anfreunden.
Denn hinter dem ganzen Weltschmerz verbirgt sich ein ganz interessanter Teenager, der wirklich schon viel durchgemacht hat, was natürlich auch dazu geführt hat, dass sie so Ich-bezogen wurde.
Sehr gelungen ist der Autorin auch der charakterliche Wandel von Gottie, da es wirklich viel gab, was sich wandeln konnte. :D

Trotz der doch vielen positiven Punkte des Buches konnte es mich aber leider nicht wirklich von sich überzeugen, was ich sehr schade finde, auch weil die Aufmachung wirklich schön ist.

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