Samstag, 28. Oktober 2017

Der Junge auf dem Berg

Gegen das Vergessen



Autor: John Boyne
Preis: 16,99 €
Seitenanzahl: 304 
Übersetzer: Ilse Layer
Verlag: Fischer
Leseprobe: >> gibt es hier <<



Wer "Der Junge im gestreiften Pyjama" kennt, weiß das Boyne oft schonungslos mit der Wahrheit umgeht.
Mit „Der Junge auf dem Berg“ hat er nun ein Werk geschaffen, das die Indoktrinierung des deutschen Volkes durch das Naziregime und Adolf Hitler auf grausame Art und Weise – aber wirklich wahrheitsnah -  zeigt!
Für dieses Beispiel einen kleinen Jungen zu nehmen, ist charakteristisch für Boyne. Diese Entscheidung mag zunächst besonders grausam anmuten, doch beweist er hiermit nur, dass die Kinder das schwächste und wichtigste Kettenglied zugleich sind… Sie sind die Zukunft, die man sofort an sich binden muss… und sie sind meist leichter zu verführen, als Erwachsene…

Pierrot ist sieben Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Bald verlässt er Frankreich, um bei seiner Tante auf dem Obersalzberg zu leben. Hier arbeitet diese als Haushälterin auf dem Berghof.
Zuerst findet der Junge es merkwürdig, soll er doch nun seinen richtigen Namen nicht mehr verwenden, sondern auf "Peter" hören...
Er darf nicht laut sein, denn der Herr mag das nicht...
Er soll nicht rennen, denn der Herr mag das nicht...
Eigentlich mag der Herr gar keine Kinder...
Auch die Freundschaft zu seinem besten Freund Anshel soll er beenden. Es wäre zu gefährlich... All dies versteht der kleine Junge noch nicht, doch bald scheint alles einen Sinn zu haben…
Als Pierrot den Herrn kennenlernt, ist er schnell sehr beeindruckt von dem Führer. Hitler wird für den Jungen fast so etwas wie eine Vaterfigur.

Boyne zeigt am Beispiel von Pierrot, wie stark die Nazis Menschen manipulierten. Bald nennt er sich selbst wirklich Peter, schließlich ist er ja Deutscher und kein Franzose... Er glaubt daran, dass die Juden schlecht sind und sperrt Anshel aus seinem Leben aus...
Und auch wenn Hitler ihm manchmal Angst macht, ist er im bald absolut loyal ergeben...

Boyne zeichnet hier ein sehr hartes Bild unseres kleinen Protagonisten. Wir begleiten Pierrot dabei, wie er vom Kind zum Jugendlichen wird.
Dabei lernen wir im ersten Teil des Buches einen liebenswürdigen, herzensguten, kleinen Franzosen kennen. Einen Jungen der mit seinem stummen Freund spielt. Pierrot ist es egal, dass Anshel Jude ist. Am liebsten würde er bei ihm bleiben, doch das geht nun mal nicht, nach dem Tod von Pierrots Mutter.
Der zweite Teil zeigt ein ganz anderes Bild des Jungen. Hier treffen wir auf Peter. Peter ist Deutscher. Er hat keinen jüdischen Freund! Wie könnte er…!
Aus dem herzensguten Jungen ist ein arroganter, auch mal gewalttätiger Scharführer der Hitlerjugend geworden…

Und doch dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen, dass Peter Pierrot war… Das er eigentlich nur das tut, was seine Tante ihm gesagt hat: Er soll niemandem zeigen, dass er Franzose ist… Er soll nie wieder Kontakt zu seinem Freund aufnehmen…
Hin und wieder  blitzt in Peter der kleine Pierrot auf. Es sind seltene Momente, doch sie sind vorhanden.
Boyne lässt uns eine Geschichte durch die Augen dieses Kindes sehen, die wir doch in ihrer Gänze niemals ganz verstehen können… niemals ganz nachvollziehen können…
Wir können nur daneben stehen und um diesen einsamen kleinen Jungen trauern, dessen Geschichte am Ende in die Hände eines Schriftstellers gelangen konnte… von einem längst verloren gegangenen Freund…